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Auerbacher Zimmermann geht auf die Walz

22 Tippelbrüder holten Constantin Rexa zur Wanderschaft ab

In Auerbach sorgten am Ostermontag 22 Handwerksgesellen für großes Aufsehen. Die jungen Männer - und auch einige Frauen - aus Deutschland, Holland, Frankreich und der Schweiz befinden sich gegenwärtig auf der Walz. Mit diesem traditionellen Brauch wollen es die Zimmerleute, Steinmetze und Dachdecker zu Ansehen in ihrer jeweiligen Handwerkerzunft bringen. In Auerbach trafen sie sich, um einen vogtländischen „Tippelbruder“ abzuholen.

Constantin Rexa ist 22 Jahre jung und eigentlich mit Herz und Seele in der Drei-Türme-Stadt zu Hause. „Ich habe hier Zimmermann gelernt und bin nun Junggeselle“, erklärt Constantin. Schon seit längerer Zeit stand für ihn fest, nach der klassischen Lehrausbildung auf die Walz zu gehen. Der jahrhundertealte Brauch ist vor allem bei Zimmerleuten eine schöne Tradition und bietet die Möglichkeit, die große weite Welt kennenzulernen. Allerdings sind mit der Wanderschaft auch viele Lebensumstellungen und persönliche Entbehrungen verbunden.

Bevor es ernst wurde, feierten die Handwerksgesellen ausgiebig. Eingemietet hatten sie sich dazu im Sportlerheim Reumtengrün, in der Turnhalle schlugen sie ihr Nachtquartier auf. Constantin bekam seine Wanderschafts-Ausrüstung. „Entsprechend unserer Regeln haben wir ihn eingekluftet. Als Zimmermann auf der Walz darf Constantin ab sofort nur noch seine Handwerkskleidung - die Kluft - tragen“, erklärte Jule, die als Steinmetz bereits seit zwei Jahren auf Wanderschaft ist.

Ein Höhepunkt der Feier im Sportlerheim Reumtengrün war aber der Abschied von der modernen Kommunikation: Constantin musste unter strenger Beobachtung sein Handy mit der Axt zerstören. „Auf der Walz darf ich kein Telefon, Internet oder auch keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Das muss ich jetzt drei Jahre lang aushalten“, erklärte der Junggeselle.

Nach ihrer feuchtfröhlichen Feierlichkeiten zogen die Tippelbrüder zum Auerbacher Rathaus. Oberbürgermeister Manfred Deckert drückte jeden Gesellen einen amtlichen Stempel in die Wanderhefte und versorgte alle mit einem kleinen Taschengeld. Danach zog der fröhliche Trupp zum Ortsausgang, wo Constantin an einer geheimen Stelle eine Flasche Schnaps vergraben musste. „Ich darf mich jetzt genau drei Jahre und einen Tag meiner Heimatstadt nicht weniger als 50 Kilometer nähern. Nach dieser Zeit werde ich die Flasche wieder ausgraben“, erklärte der Zimmermann. Unter großem Hallo hievten die Walz-Gesellen ihren Kollegen dann noch über das Ortsausgangsschild und zerstreuten sich danach in alle Winde. Auch Constantin machte sich optimistisch auf den Weg.In wenigen Tagen will er in Berlin sein. (Text/Foto:Hagen Hartwig)